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"Wenn einer beim Schützenfest eine auf’s Maul kriegt, dann nennt man das Tradition" PDF Drucken E-Mail

Fußballfans stehen nicht erst seit der Fußball WM 2006 im Blickpunkt der Sicherheitsfachleute und der Medien. Für die meisten sind sie aber immer noch „das unbekannte Wesen“.
YNWA führte im Rahmen seiner Interview-Serie ein Gespräch mit Jan, Wolle und Daniel von "The Unity" aus Dortmund über Fankultur und Sicherheit, Red Bull und Kommerz, Emotionen und Grenzen.

(Anm. d. Red: Das Interview ist sehr lang!)

YNWA: Jan, Daniel und Wolle, Ihr seid Mitglieder des BVB und der Fanvereinigung The Unity. The Unity hat, wenn man das von außen sieht, einige Aspekte, die wir als Ultra-Aspekte bezeichnen würden. Auf der Homepage gibt es eine klare Aussage „Ultras ja, aber nicht nur“. Was heißt das?

Jan: Ich denke, da gibt es zwei Wege. Den der Älteren und den der Jüngeren, die das teilweise etwas anders sehen. Uns war als Gründer von The Unity zwar der Begriff Ultras bekannt, wir haben einiges durch Reisen ins Ausland oder durch andere Fanszenen in Deutschland kennengelernt, aber für uns Ältere stand Ultra eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung. Das ist erst durch jüngere Mitglieder dazu gekommen und man hat sich erst dann eingehender mit dem Ultragedanken beschäftigt. Im Endeffekt haben dann viele von uns festgestellt, dass wir eigentlich Ultras sind, ohne dass wir uns je so benannt haben. Es kursierten viele Werte in der Ultraszene, die wir immer angestrebt haben: Vor allem einmal Unabhängigkeit und eigenständiges Denken. Gleichzeitig aber auch im Stadion alles zu geben und entschlossen zum Verein zu stehen. Eine Gruppe mit festen Bindungen zu bilden, ist ein weiterer Wert. Das waren immer schon Werte, die uns selber angetrieben haben.

YNWA: Und dazu kommen dann Choreos, die es früher so nicht gab?

Jan: Klar, das Optische ist natürlich durch die Ultraschiene dazu gekommen, aber das ist ja nicht das, was die Ultras ausmacht. Das ist das, was man von außen sieht. Es ist auch wichtig, um neue Mitglieder zu werben und den eigenen Mitgliedern den notwendigen Freiraum zu schaffen, ihre Kreativität in positive Bahnen zu lenken. Aber es ist letztlich nur ein schmuckes Beiwerk. Wenn der Inhalt nicht funktioniert, dann ist es keine Ultragruppe für mich, dann ist es nur eine Choreographie- und Basteltruppe.

Daniel: Ich denke, dass wir in Dortmund einen guten Weg gefunden haben, zwischen unsinnigem Provozieren, Aktionen im Stadion und dem, was wir leben. Wir leben den Ultragedanken eben nicht durch solche provokanten Sachen, sondern durch Gemeinsamkeit im Stadion, durch kreative Aktionen, auch durch Choreographien und eben durch alles das, was die Gemeinsamkeit einer Gruppe mit sich bringt. Natürlich gibt es auch bei uns ein paar Leute, die auf die anderen Dinge Lust haben, was von unserer Gruppe aber nicht akzeptiert wird. Dann passiert das halt außerhalb The Unity und wird nicht von uns unterstützt.

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Trainingslager 2004 in Bad Waltersdorf, Gruppenfoto
Foto: the-unity.de

YNWA: Wie sind eigentlich die Strukturen Eurer Gruppe?

Daniel: Wir haben sieben gewählte Sprecher, dazu zwei Kassierer, die zusammen den Vorstand bilden. Dann haben wir noch den erweiterten Vorstand, da sind die Sprecher der Sektionen mit drin, aber auch Leute, die sich viel einbringen und auch eine Meinung repräsentieren können.

Jan: Den harten Kern der Gruppe bilden rund 100-150 Leute und aus diesem harten Kern gibt es Leute, die den erweiterten Vorstand bilden. Das sind Jungs und Mädels, die wir uns als Vorstand dazu geholt haben, bei denen wir sehen, dass sie in der Lage sind, gewisse Strömungen in der Gruppe einerseits zu repräsentieren, aber auch Einfluss zu nehmen. Es macht wenig Sinn, nur mit den gewählten sieben oder neun Leuten alles auszudiskutieren. Zudem ändern sich Strömungen recht schnell und durch diese Struktur sind wir in der Lage, Strömungen auch recht schnell aufzunehmen. Entscheiden muss es dann letztlich immer der Vorstand. Der ist von allen Mitgliedern gewählt und wenn irgendwas passiert, dann ist er verantwortlich.
Wir müssen im Vorstand entscheiden, aber ohne die anderen funktioniert die Gruppe nicht. Sie funktioniert auch ohne alle anderen Mitglieder nicht, denn die müssen es schließlich tragen, sie müssen es leben. Wer es nicht mehr mitleben will, der tritt halt irgendwann aus.

YNWA: Wie viele Mitglieder hat The Unity zur Zeit?.

Jan: Wir sind nun bei knapp 500 Mitgliedern.

YNWA: Gibt es irgendwelche Mitgliedsbedingungen, etwa die Forderung der aktiven Mitarbeit?

Jan: Wir nennen uns schon - und legen auch Wert darauf – eine Gruppe aktiver BVB-Fans. Wir haben keine Lust auf Leute, die nicht mal regelmäßig zu BVB-Heimspielen gehen. Wir sagen, wir sind aktiv und wir wollen mehr als andere. Und wenn wir das wollen, dann müssen wir das auch leben. Wir können uns nicht vor andere hinstellen und sagen, wir sehen diese Punkte so und so, wenn wir das nicht selbst in die Tat umsetzen. Wenn Mitglieder von uns in unseren Klamotten rumlaufen, sich irgendwo auf die Tribüne fletzen und das Maul nicht aufbekommen, damit ist uns allen nicht geholfen. Diese Einzelfälle wird es immer geben, ganz klar, aber im Endeffekt wird es so sein, dass die Gruppe dafür nicht gebildet wurde. Das hat keinen Sinn, bringt der Gruppe nichts und bringt niemand anderem etwas, auch der Einzelperson nicht. Warum ist er dann Mitglied bei uns, wenn er da eigentlich keinen Bock drauf hat. Nur wegen des Pullis?

YNWA: In welche Richtung wollt Ihr Euch entwickeln? Ihr bezeichnet Euch im Prinzip als unpolitisch, werdet ja aber sicher darauf achten, dass kein Rechtsradikalismus in Euren Reihen auftritt ...

Jan: Richtig. Das ist aber auch in die andere Richtung zu sehen. Wir haben weder Bock darauf, dass die Leute mit Nazifahnen rumlaufen, aber rote Fahnen müssen es auch nicht sein. Es gibt bei uns vielleicht Personen, die eher rechts sind, und vielleicht Personen, die eher links sind, das interessiert uns aber nicht. Es wird bei uns nicht politisch diskutiert. Wir haben bei uns Farbige in der Gruppe, wir haben – wie heißt es politisch korrekt – Personen mit Migrationshintergrund in der Gruppe, das ist völlig egal. Wichtig ist, dass dein Herz schwarz-gelb ist, alles andere ist völlig nebensächlich. Das ist eigentlich auch in der Tradition von Borussia Dortmund, wo ja selbst in der Nazizeit noch Kommunisten im Verein aktiv sein konnten und gedeckt wurden.

YNWA: Kann man also sagen, dass es eine Abgrenzung gegenüber Rechts- und Linksradikalismus gibt, dass Ihr das einfach nicht akzeptiert.

Daniel: Als persönliche Einstellung einzelner, vielleicht noch.
Wir wollen aber vor allem die Stimmung im Stadion verbessern, deswegen wurde die Gruppe auch damals gegründet. Ich denke, wenn man es z.B. mit dem Jahr 2000 vergleicht, hat es sich schon verbessert. Nun haben wir den nächsten großen Schritt, mit dem Umzug nach unten auf der Südtribüne und der Installation einer Lautsprecheranlage. Wir möchten natürlich, dass die Gruppe wächst und dass die Leute zusammen finden, denn es ist etwas Besonderes, wenn man zum Fußball fährt und man hat hier Freunde. Es gibt tatsächlich Menschen, die wegen des Fußballs umgezogen sind. Es ist ein bißchen wie eine große Familie, zu der man immer kommen kann und es entstehen auch viele echte Freundschaften in der Gruppe. Es ist natürlich unser Anliegen, das so weiter zu tragen, ohne dass es sich in die falsche Richtung entwickelt.

YNWA: Stichwort Stimmung-im-Stadion-verbessern. Wie ist die Zusammenarbeit von The Unity mit anderen Fanclubs,? Uns erscheint es, als gäbe es im Dortmunder Stadion mittlerweile eine gewisse Isolation. Man schaut auf diesen folkloristischen Teil, den die Südtribüne bildet, man bringt auch seine Freunde mit, um denen das mal zu zeigen. Ist aber nicht ganz einfach eine Distanz zum Rest vom Stadion entstanden?

Daniel: Ich würde gerne vorneweg erwähnen, dass wir Fanclubs gezielt ansprechen. Zum Beispiel auf Fahnenaktionen. Wir haben seit einem Jahr eine Aktion laufen, haben über 400 Mails verschickt, hatten aber eine miserable Resonanz. Die Leute scheinen daran einfach kein Interesse zu haben.

Jan: Hinzu kommt, dass alle Diskussionen und Vorbereitungen in Dortmund stattfinden und nicht z.B. in Lippstadt, das ist schon ein Problem, das sehe ich ein.

YNWA: Aber woran liegt es letztlich? Da gibt es Fans, die sagen, ach die Unity, die Elite und die Besseren. Wenn wir irgendwo einen Gesang anstimmen dann geht The Unity sicher nicht darauf ein.

Jan: Das ist mir nun ziemlich wichtig, das mal anzusprechen. Ich glaube, dass das sehr viele mittlerweile als Alibi benutzen. Zu sagen, ich singe nicht mit, die machen es ja auch nicht, ist schön einfach.
Viele von uns versuchen immer wieder auf Leute zuzugehen, oder Leute kommen auf uns zu. Wenn das dann gelingt, ist es meist so, dass auf beiden Seiten Vorurteile abgebaut werden. Man hat selbst auch Vorurteile, das ist zu tiefst menschlich.
Ich finde, dass die meisten Fans in Dortmund viel zu passiv sind, viele davon haben einfach keinen Bock, irgendwas zu machen. Das ist sehr schade, denn ich denke, dass auf unserer Tribüne ein Riesenpotential schlummert. Ich finde es auch sehr schade, es sich einfach zu machen und zu sagen, ach die sind doof, da mache ich nicht mit. Das ist doch arm, oder? Worum geht es denn dann noch da? Geht es noch um Borussia oder geht es nur noch um uns? Auf der anderen Seite werfen die Leute uns vor, wir würden nur unser Ding machen. Was bitte machen sie denn dann?

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Auswärtsspiel in Hamburg 2003
Foto: the-unity.de

YNWA: Warum schafft es dann dieses Event-Publikum bei der WM (Deutschland-Polen) so auszurasten? Da war ja Stimmung auf allen Tribünen.

Jan: Aber sie sind ja nicht ausgerastet. Das war Eventstimmung. Das findet nur alle vier Jahre statt, da gucken ja alle drauf, wir sind ja Deutschland, da müssen wir jetzt. Die Welt ist ja zu Gast. Ich denke schon, dass sich da jeder angespornt gefühlt hat, der Welt zu zeigen, wir Deutschen wir können auch mal feiern, wir können es auch mal krachen lassen, im positiven Sinne. Sonst haben wir es ja immer im negativen Sinne bewiesen. Ich glaube nicht, dass man das mit dem Alltag vergleichen kann. Ich habe mit Fans aus anderen Ländern gesprochen, z.B. mit Schweizern, das waren auch keine Leute, die regelmäßig in der Schweiz zu ihrem Club gehen. Das war bei fast allen ausländischen Besuchern so. Es gab überall so einen kleinen harten Kern, der zum Clubfußball geht und auch zur Nationalmannschaft fährt, aber der große, große Teil eben nicht, für die ist das ein Event. In Dortmund ist es zwar für viele auch ein Event, aber man geht halt alle zwei Wochen hin.

YNWA: Die Frage nach der zukünftigen Entwicklung von The Unity ist noch offen.

Jan: Ich glaube, das kann man gar nicht wirklich beantworten, da ist sehr viel im Fluß. Die Jüngeren wachsen nach, die Älteren nehmen sich auch mal mehr zurück, die Jüngeren haben dann wieder andere Wertvorstellungen vom Weg der Gruppe. Wir hoffen, dass die Dinge, die wir über fünf Jahre in die Wege geleitet haben, erhalten bleiben, wie etwa dass wir gewaltfrei und unpolitisch sind. Viele unserer Ziele konnten wir bislang auch umsetzen, wir haben in Dortmund einiges erreicht, von denen manche Gruppen in Deutschland wahrscheinlich nur träumen können. Die machen vielleicht andere Sachen, sind sicher aus ihrer Sicht deutlich mehr Ultrá als wir, das mag ja alles sein. Was wir noch nicht erreicht haben - und da sind andere sicher weiter als wir - das ist einfach die Heimstimmung. Da passiert einfach noch zu wenig.

YNWA: Besteht die Möglichkeit, dass The Unity bei anderen Gruppierungen, insbesondere Ultra Gruppierungen nicht besonders hoch im Kurs steht?

Jan: Klar, weil wir so sind wie wir sind. Wir klauen keine Schals, wir boxen uns nicht, solange wir nicht angegriffen werden. Das ist halt so.

Daniel: Es ist so, dass solche Dinge bei anderen eine größere Rolle spielen und in anderen Kurven stärker toleriert werden. Da ist das normal. Bei uns ist es so, dass wir es denn Leuten nicht verbieten, aber es loben, wenn sie es nicht tun.

YNWA: Kommen denn Fans mit Erwartungen nach Randale in Eure Gruppe?

Jan: Nein, die wissen schon, wofür wir stehen.

YNWA: Was war denn da am letzen Spieltag der vorletzten Saison in Münster, als sich viele geboxt haben, wer war denn da dabei? Waren das einfach Fans untereinander?

Jan: Ich glaube, da war schon so ziemlich alles dabei. Du kannst nicht alles steuern. Ich war nicht da, kenne es nur vom Hörensagen, aber offensichtlich erscheinen plötzlich auf Münsteraner Seite Dortmunder Fahnen und dann flippen die Leute aus. Dann fangen irgendwelche an und es lassen sich dann gerne Jüngere mitreißen. Aus der Sache würde ich nun keinem einen Vorwurf machen. Wäre er erwischt worden und hätte nun Stadionverbot, dann darf er sich eben nicht beschweren, man muss einfach wissen, auf was man sich da einlässt. Das ist der springende Punkt: Wenn man Scheiße baut, muss man dazu stehen, dann darf man sich nicht hinterher hinstellen und jammern, man habe doch nichts gemacht.

YNWA: Noch einmal zu der Feststellung, The Unity sei „unpolitisch“. Ist das nicht eine Form der Vogel-Strauss-Taktik, man steckt den Kopf in den Sand und denkt, hoffentlich hört mir keiner zu und es merkt keiner. Es wirkt etwas unverständlich, dass man nicht sagen kann, wo seine politischen Grenzen sind, denn sie sind ja da und zeigen sich auch.
Jan, Du bist Mitglied in der Projektgruppe Zivilcourage der BVB Fanabteilung. Da geht es sehr viel um antirassistische Arbeit. Das ist doch nicht unpolitisch.

Jan: Das ist aus Deiner Sicht nicht unpolitisch. Das muss man ja auch nicht immer verstehen. In unserer Gruppe gibt es Leute, die vielleicht CDU wählen, warum auch immer. Aber für viele Leute wäre es ein Graus eindeutig zu sagen, wir stehen dazu und äußern uns ganz klar als antirassistisch. Antirassistisch zu sein, wird ja häufig mit links sein gleichgesetzt. Das ist in meinen Augen total falsch.

Daniel: Ich bin in gewisser Weise schon antirassistisch, aber ich will das beim Fußball nicht so in den Vordergrund stellen. Klar spielt das hin und wieder eine Rolle, dann rege ich mich auch drüber auf, aber dann war es dann für mich, deswegen muss ich mich nicht hin stellen und sagen, wir sind jetzt die Super-Anti-Rechts-Leute. Im Endeffekt geht es mir um den Fußball. Ich kann mich sechs Tage in der Woche über Politik unterhalten, aber wenn ich mich um Fußball kümmere, will ich auch nur den Fußball im Kopf haben.

YNWA: Kann man also eindeutig sagen, The Unity ist nicht parteipolitisch unterwegs.

Jan: Ja, absolut.

YNWA: Darüber hinaus gibt es noch die Gesellschaftspolitik.

Jan: Wir sind ja ganz klar gesellschaftspolitisch, auch Vereinspolitik haben wir immer sehr viel gemacht, das ist überhaupt keine Frage. Wir haben das mal so gesagt: Wir dulden in unserer Gruppe nur einen Extremismus, das ist der Fußballextremismus. Mit Parteipolitik haben wir nichts am Hut, leider wird das politisch sein und parteipolitisch sein, oft in einen Topf geworfen.

YNWA: Die Weltmeisterschaft ist vorbei, im Vorfeld wurde viel diskutiert, starke Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Nun hat der Ligaalltag angefangen, gibt es etwas, was sich von dem Zeitpunkt vor der Weltmeisterschaft bis in dieses frühe Stadium des Ligaalltags verändert hat?

Jan: Am Anfang der Saison entstand der Eindruck, ja. Der Polizeiaufwand schien deutlich geringer geworden zu sein. In München war weniger Polizei als noch bei letzten Spieltag der letzten Saison, die sind auch nicht mehr in den Block gekommen, obwohl wir wieder im Aufgang gestanden haben. Beim Heimspiel gegen Mainz habe ich deutlich weniger Polizei rund ums Stadion gesehen, selbst in Stuttgart und Thannhausen deutlich weniger Polizei als sonst. Man merkt also schon, quantitativ ist das von staatlicher Seite zurück gefahren worden. Warum ist auch klar, das Geld ist nicht mehr so da, die WM ist vorbei. Jetzt spielen wir in Thannhausen und gleichzeitig ist der Papst in Bayern unterwegs - da hatten wir nur „Dorfsheriffs“, also ganz normale Polizei beim Spiel. Die wenige Polizei war auch ganz locker, also überhaupt kein Vergleich zu vorher. Gleichzeitig hat sich aber all dieser Blödsinn rund ums Stadion nicht geändert. Die Stadionverbote werden immer noch willkürlich wie eh und je ausgesprochen.

YNWA: Das ist nun aus der Verschwörungstheorie heraus formuliert, dass Du sagst, die haben kein Geld mehr. Man könnte ja nun auch einen anderen Ansatz machen, dass man sagt, die WM ist auch im Vorfeld so gut gelaufen, dass man sagt, ok, wir schießen ja mit Kanonen auf Spatzen, wir brauchen ja viel weniger Aufwand. Warum wählst Du den verschwörungstheoretischen Ansatz?

Daniel: Die hätten vorher schon sagen können, wir schießen mit Kanonen auf Spatzen, denn – und da sind wir in Dortmund mit das beste Beispiel – für den Polizeiaufwand, der betrieben wurde, ist wenig passiert. Ich weiß nicht, wann letztes Jahr was los war. Da war vielleicht beim Derby die „etwas andere“ Anreise, ansonsten gab es eigentlich keinen Grund aktiv zu werden. Und trotzdem gab es eine ungeheure Polizeipräsenz. Es hat sich doch nichts geändert, die Leute, die etwas größer und stabiler aussehen, haben nicht aufgehört zum Fußball zu gehen.

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Aktion Nürnberg 2005
Foto: the-unity.de

Jan: Man sollte nicht vergessen, es gehen alle zwei Wochen etwa 80.000 Menschen in unser Stadion, normalerweise müsste dann immer etwas passieren. Es ist doch praktisch wie auf einem Volksfest und gibt es doch regelmäßig Zwischenfälle. Verglichen damit ist es doch im Fußballstadion eigentlich lächerlich ruhig.
Wenn ich überlege, was früher in den 80ern bei viel weniger Zuschauern ständig passiert ist, da hat es wirklich ständig geknallt und es war immer Polizei anwesend. Es ist ja nicht so, dass es damals keine Polizei gab. Heute sind die Zwischenfälle verglichen mit den 80ern fast schon Kinderkram. Wenn sich da ein paar 16jährige ein bisschen rumschubsen und ein wenig rumpöbeln, macht die Polizei ein Theater, weil 16jährige hinter einer Polizeikette gegen andere 16-jährige pöbeln. Früher konntest Du doch wirklich die Uhr danach stellen, wann es gekracht hat. In Köln wurde beispielsweise jedes Mal die Straßenbahn überfallen, in Gelsenkirchen bist du mit allem möglichen beworfen worden, umgekehrt wurde jeder Bus entglast.

YNWA: Also verändert hat sich die Menge der Polizeipräsenz. Sonst nichts?

Jan: Nicht viel. Ich habe in Stuttgart am Eingang wieder die Diskussion um das fürchterlich gemeingefährliche Megafon mitbekommen, da haste einfach keinen Bock mehr. Wenn du überlegst, dass du darüber diskutierst, ob nun fünf oder sechs Schwenkfahnen in einen Block dürfen, da kannst du dir einfach nur noch an den Kopp packen, was soll das? Ob da nun 30, 40, 50 drin sind, das darf doch eigentlich keinen interessieren. Wer pellt sich da ein Ei drauf? Das ist doch alles widersinnig. Und das hat sich leider überhaupt nicht geändert. Ich glaube auch nicht, dass sich das überhaupt noch ändert, weil mittlerweile überall diese sogenannten Sicherheitsdienste sitzen. Auch das ist ja nun nicht mehr nur beim Fußball so. Überall sitzen nun fürchterlich wichtige Menschen, die so eine halbseidene Prüfung ablegen müssen und damit dürfen sie über gut und böse richten.

YNWA: Wer entscheidet denn von Stadion zu Stadion, was überall mitgebracht werden darf? Der jeweilige Sicherheitsdienst?.

Jan: Der Heimverein in Absprache mit Polizei und Sicherheitsdienst. Im Endeffekt ist es so, dass fast immer die Polizei entscheidet. Es sei denn, der Verein ist selbstbewusst genug zu sagen, das interessiert uns alles nicht, wir lassen dies und jenes zu. Das könnte theoretisch jeder Verein, aber die meisten Vereine haben halt keine Lust auf Diskussionen mit der Polizei, nur wegen der Gästefans.

YNWA: Welchen Einfluss hat in diesem ganz Spiel zwischen Fans und Sicherheit die Medienwelt?

Daniel: Einen riesigen Einfluss. Thannhausen ist ein gutes Beispiel. Da wird nun wieder etwas heraufbeschworen, das eigentlich ganz normal war. Die Leute geben die Bänke runter, friedlicher geht’s gar nicht, da ist nicht annähernd irgendwas geflogen. Die Leute waren da nur zum Feiern. Und dann wird nun von der Presse etwas heraufbeschworen, was wieder einmal die Fans in ein schlechtes Licht stellt und im Gegenzug die Polizei dazu bewegen könnte, zu sagen, wir müssen die Sicherheitsmaßnahmen verstärken. Und was war der Auslöser? Schlechte Recherche der Presseleute.

YNWA: Das sieht so aus, als wenn die Fans keine Lobby hätten?

Jan: Was heißt, es sieht so aus, es ist doch so.

YNWA: Warum ist das so?

Jan: Es fängt schon mit den Journalisten an. Für viele Journalisten ist ein Fußballfan entweder schmückendes Beiwerk, also Folklore, wie man so schön sagt, oder eben ein Sicherheitsrisiko. Die meisten Journalisten denken nicht darüber hinaus. Ich hatte kürzlich ein Interview mit dem französischen Fernsehen und das war wohltuend anders. Der französische Journalist wollte wissen, was einen Fan bewegt, warum er das tut, was aus dem Herzen kommt. Ich habe schon öfter Interviews gemacht, aber so was bin ich von einem deutschen Journalisten noch nie gefragt worden.

YNWA: Aber es wird doch nicht nur in Deutschland so schlimm sein?

Jan: Was die Lobby angeht, schon. England ist schon ein anderes Beispiel, die englischen Fans haben dort schon eine größere Lobby, Fankultur hat einen anderen Stellenwert in der Öffentlichkeit. Aber auch dort werden einzelne Ereignisse genutzt, um bestimmte Sachen durchzudrücken. Selbst in Italien haben die Fans, oder die Ultras, die sind es da ja hauptsächlich, eine ganz andere Lobby, weil die natürlich über die Entwicklung von 30, 40 Jahren Ultras längst auch eigene Medien besitzen. In Frankreich berichten sogar große Zeitungen über die Fanszene. Letztes Jahr beispielweise, hat L´Equipe groß über die Fanszene von Paris Saint Germain berichtet, und tatsächlich objektiv geschrieben, warum es dort zwischen den Gruppen brodelt. Der Bericht ging über zwei Seiten. In Deutschland gäbe es das nicht. Welcher Journalist sollte auch wissen, wie es abläuft. Welchen Journalisten interessiert es denn auch? Der will seine fünf Minuten Story haben und schreibt den Polizeibericht ab, ist doch viel einfacher. Hier werden lieber von irgendwelchen Sport-Bild-Trotteln Berichte verfaßt, die jede Grenze sprengen, für die ich mich als Leser dieses Schmierblattes echt schämen würden.

YNWA: Kommen wir noch einmal zurück zur Lobby. Warum gelingt es nicht, dieser nicht gerade kleinen Gruppe von Staatsbürgern eine Lobby zu verschaffen? Hängt es vielleicht damit zusammen, dass sie untereinander zu uneinig ist? Oder dass sie sich zum grüßten Teil selbst als unpolitisch verstehen?

Daniel: Der größte Teil der Leute geht frühestens um 13:15 Uhr ins Stadion, um 17:30 Uhr wieder raus, dann gehen sie vielleicht noch zwei Bier trinken, regen sich über das Spiel auf oder freuen sich über das Spiel und legen ihre Dauerkarte dann wieder in den Schrank. Das war es. Dem Großteil ist es schlicht egal. Der Teil, der sich dafür interessiert reibt sich auf.

Jan: Die Denkweise ist natürlich total falsch. Derjenige, der so wie gerade beschrieben ins Stadion geht, ist in erster Linie ein Bürger. Dieser Bürger vergisst, dass das, was da mit ein paar „Chaoten“ passiert, demnächst ihn treffen wird. Das will er nicht sehen. Es ist vielleicht etwas weit hergeholt, jetzt den Bonnhöfer zu zitieren: „Erst waren es die Hooligans, die sie gejagt haben, das hat mich nicht interessiert, ich war ja keiner Hooligan. Dann waren es die Ultras ...“ Es ist bekannt, wie es weiter geht. Das ist immer das Problem des Wegschauens, das ist mir egal, es geht mich ja nicht an. Wenn die sich aufs Maul hauen, dann sind die auch selber schuld. Als mündiger Bürger, wenn man es denn so sehen will, muss man feststellen, dass sich die meisten Zuschauer, die ins Stadion gehen, gar nicht so sehen. Sie möchten sich auch nicht so sehen. Sie gehen zum Fußball, möchten sich ein Spiel angucken und wieder nach Hause gehen. Sie sehen sich in dem Moment gar nicht als mündiger Bürger. Sie möchten sich über die Leistung der Mannschaften beschweren. Wenn die Leistung miserabel ist, dann möchten sie schon das Recht haben, das zu artikulieren. Aber sie möchten sich eigentlich nicht großartig darüber beschweren, dass 500 Fans auswärts mal ein wenig gegängelt werden. Da waren sie ja nicht mit, das interessiert sie ja nicht.

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Aktion Nürnberg 2005
Foto: the-unity.de

YNWA: In dem Zusammenhang nachgefragt: Es gibt „Unsere Kurve“, der Versuch einen Zusammenschlusses von verschiedenen Fangruppen, Fanbewegungen, die jetzt nicht ausschließlich auf die Ultras ausgerichtet ist. Wäre das nicht eine der wesentlich Möglichkeiten, der gesamten aktiven Fanszene ein Sprachrohr zu geben?

Jan: Ja, wäre es. Aber das Problem ist, das bei „Unsere Kurve“ die gleichen Leute aktiv sind, die auch schon in ihren Vereinen entweder in den Ultragruppen oder den Supportervereinigungen auch schon die ganze Arbeit machen. Und das alles ehrenamtlich. Da geht einfach nicht viel mehr. Ich sage mal, die meisten von uns, die das machen, die gehen auf dem Zahnfleisch und sind nicht mehr in der Lage, mehr zu machen. Es wäre sehr schön, aber es funktioniert einfach noch nicht. Wir haben halt leider nicht wie in England Supporters-Direct, in dem die Leute eine solche Arbeit den ganzen Tag machen können. Die müssen nicht von acht bis vier zu ihrem Job, sondern das ist ihr Job. Vielleicht fehlt uns einfach mal ein Politiker, der aufsteht und sagt, hier läuft doch was schief. Ich glaube, dass dann auch viele normale Fußballfans einfach mehr nachdenken würden, was hier schief läuft. Die Fußballvereine werden immer mehr zu Kapitalgesellschaften, aber was ist denn mit den Fans, warum denkt denn keiner an sie?

YNWA: Wie finanziert sich denn Supporters Direct?

Jan: In England? Der ist meines Wissens von der öffentlichen Hand finanziert.

YNWA: Öffentliche Hand? Unabhängig von den jeweiligen Regierungen?

Jan: Ist wohl gesetzlich so festgelegt. Supporters Direct, was es schon mehrere Jahre gibt, wird von der öffentlichen Hand gefördert und soll dazu dienen, dass Fußballfans ihre Vereine zurückkaufen können, bzw. Ihre Position in den heutigen Kapitalgesellschaften stärken können. Es ist unabhängig von den jeweiligen Vereinen. Grundsätzlich ist die Fankultur in England einfach stärker gesellschaftlich verankert als bei uns in Deutschland. Es ist dort nicht so anrüchig Fußballfan zu sein, das ist noch richtig schön am englischen Fußball. Besonders außerhalb des Stadions hat England eine einzigartige und beneidenswerte Fußballkultur. Ansonsten sind England Fans aber auch nicht mehr zu beneiden. Hohe Eintrittspreise, Sitzplatzzwang und einfach null Stimmung in den Stadien.

YNWA: Macht man es sich dann nicht irgendwie ein bisschen einfach? Was ist zum Beispiel in Deutschland mit den Fanprojekten? Die sind vollständig durch die offiziellen Fußballorganisationen und die Regierung finanziert.

Jan: Das sind Projekte für Sozialarbeiter, das sind nach ihren eigenen Aussagen keine Fußballfans.

YNWA: Wo also liegt die Lösung?

Jan: Es liegt in erster Linie daran, dass es keine Manpower gibt. Vielleicht fehlt auch einfach mal eine charismatische Person, die die Fanszene abklappert und einfach mal Dampf macht. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Ultras, natürlich aber auch um die, es geht darum einfach mal aufzuzeigen: „Leute, wir können und wir müssen auch mal was versuchen.“
Es gibt auch viele die sich ausgeklinkt haben, weil sie einfach keinen Bock mehr haben. Und es gibt auch einige, die nur noch die Gewaltschiene fahren, mit denen kannst du auch solche Sachen gar nicht machen. Willst Du die mitnehmen? Damit machst du dich angreifbar. Auf der anderen Seite sollte man den Leuten vielleicht auch mal offen ins Gesicht sagen: „Leute, da hauen sich nun 20 Leute gegenseitig die Schnauze ein. Was zum Teufel ist daran nun schlimmer als ...“

YNWA: ... in jedem Bierzelt.

Jan: Genau. Die Frage ist, warum kann man das nicht sagen? Weißt Du, wenn die Bauern aus dem Dorf, die ganzen Moralapostel da sich seit 20 Jahren auf ihrem Schützenfest ständig aufs Maul hauen, dann ist das gesellschaftlich o.k., da ist das Tradition. Beim Fußball sind es die Asozialen, das versteh ich nicht. Ich schlage mich nicht beim Fußball, aber wenn sich da zehn gegen zehn gegenseitig auf die Moppe hauen, ist mir das so egal, sollen sie es doch machen, das interessiert mich nicht die Bohne.

YNWA: Es sieht so aus, als wäre das ständige wiederholen des politisch sicher korrekten „wehret den Anfängen“ der ungeeignete Ansatz zur Entwicklung einer friedlichen Fanszene.

Jan: Das ist der Punkt. Wir haben das vor kurzem in unserer Gruppe besprochen. Ich kann den 16jährigen nicht ständig sagen, dass sie das und das nicht dürfen, dann hören sie nämlich irgendwann nicht mehr zu. Wir müssen denen vorleben, was wir für richtig empfinden. Das dabei auch mal 16-, 17-jährige dazwischen sind, denen das nicht reicht, das wirst du immer haben. Dann muss man halt versuchen, es klar zu machen und wenn es keinen Zweck hat, darauf hinweisen, dass er oder sie in unserer Gruppe nicht richtig ist.

YNWA: Wir brauchen Regeln für den Besuch von Fußballspielen. Gibt es auch Grenzen für diese Regeln?

Jan: Jeder sollte sich zum Thema „Fußball und Sicherheit“ folgendes überlegen: Bin ich bereit, meine persönliche Freiheit immer mehr zu opfern, um diese kleine Stück scheinbare Sicherheit zu bekommen. Ich finde es einfach bedauerlich, dass so viele Menschen bereit sind, ihre Freiheit immer mehr zu opfern, um dieses kleine Stück scheinbarer Sicherheit zu bekommen und wir Fußballfans sind doch nur ein kleines exemplarisches Beispiel dafür. Wir lassen uns abfilmen, wir laufen mit Chips in den Karten herum, es gibt demnächst gespeicherte Gesichter mit biometrischen Erkennungsmöglichkeiten der Kameras an den Eingängen. Wo bin ich denn hier? Das ist doch „Big Brother“ par excellence. Selbst das Konsumverhalten wird mit der Chipkarte geprüft. Wen geht das denn etwas an, außer mich selbst. Wenn ich der Meinung bin, es geht jeden was an, dann kann ich es doch veröffentlichen. Privatsphäre ist ein hohes Gut, das steht sogar in unserer Verfassung. Es ist an der Stelle sogar überlegenswert, wie viel die Menschen eigentlich über unserer Verfassung wissen und welch hohes Gut unsere Verfassungsrechte sind. Solche Rechte haben übrigens viele Menschen in einigen Ländern nicht, die wären froh, so etwas zu haben und wir treten die eigenen Rechte mit Füßen und wollen anderen erzählen, was Freiheit und Demokratie ist.

YNWA: In diesem Zusammenhang: Wie reagieren Fußballfans, wie ihr, wenn etwas in eurem Umfeld passiert, das absolut nicht o.k. ist? Beispiel: Irgendwer wirft eine Flasche in Richtung Polizisten, was macht ihr? Nehmt ihr euch den vor, liefert ihn vielleicht sogar der Polizei aus? Oder deckt ihr ihn?

Daniel: Also, wenn jemand eine Flasche gegen Polizisten wirft, gegen sie pöbelt oder einfach nur einen Ausraster hat, dann wird er schon von der Gruppe an die Seite genommen, die dann versucht, ihn zu beruhigen. Das soll natürlich nicht sein. Ob wir die nun decken oder nicht, das weiß ich nicht, dazu kann ich nichts sagen.

Jan: Ich würde niemals einen meiner Freunde der Polizei ausliefern.

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Choreographie "Gelbe Wand Südtribüne Dortmund", 2005
Foto: the-unity.de

YNWA: Auch dann nicht, wenn er komplett was kriminelles abgeliefert hat?

Daniel: Dann würde ich ihm wahrscheinlich empfehlen, sich der Polizei zu stellen.

Jan: Grundsätzlich würde ich es nicht tun, aber es kommt natürlich auf die Situation an, auf das, was er getan hat. Glücklicherweise war ich noch nicht in der Situation.

YNWA: Formulieren wir es mal anders. Man regt sich fürchterlich darüber auf, wenn ein Polizist ein Fehler macht und die anderen Polizisten decken ihn. Das ist für die meisten eine Riesenschweinerei und typisches Gruppenverhalten. Und vor allem typisches Polizeiverhalten. Aber Ihr würdet es nicht anders machen, oder?

Jan: Ei oder Huhn ...

YNWA: Gut, dann müssen wir aber in der Diskussion anders miteinander umgehen und das nicht immer gegenseitig voneinander fordern.

Daniel: Ich denke, mit einer ehrlichen und gewissenhaften Polizeiarbeit könnten viele Spannungen im Vorfeld rausgenommen werden.

Jan: Es kommt immer zu diesen Solidarisierungseffekten in der Gruppe. Wenn also jemand in der Gruppe durch Ordner oder Polizei angegriffen wird, dann solidarisiert sich die Gruppe mit ihm, weil sie ihn kennen. Das ist eine Kette, die man nicht, oder kaum unterbrechen kann. Das ist vielleicht sogar ein Urinstinkt, da kannst Du nicht einfach sagen, das machen wir ab morgen nicht mehr. Es ist einfach so, dass man immer die Personen aus seiner Gruppe Menschen – nicht nur Fußballfans – mit denen man unterwegs ist, zunächst schützt und erst hinterher fragt, was denn eigentlich los war. Gerade in einer aufgeheizten Atmosphäre.

YNWA: Aber das ist es doch auch eine Frage der Kommunikation: Die Polizei kennt die Fans nicht wirklich, die Fans die Polizei auch nicht, die Kommunikation liegt im argen und beide Seiten haben ihre Vorurteile.

Jan: Aber das ist doch genau das, was ich meine. Die Polizei wird dafür bezahlt. Also muss doch die Polizeiführung dafür sorgen, dass die Einsatzkräfte nicht einfach so auf eine Horde Fans losgelassen werden. Eine Einschätzung des Einsatzhundertschaftsleiters nach dem Motto: „Da kommen nun 200 Voll-Asis, alles Hooligans, passt auf, die machen nur Scheiße!“ kann es doch nicht sein. Aber so passiert es doch oft genug. Wenn man mal Gelegenheit hat, einen Polizisten in Ruhe zu sprechen, wird der einem oft genug erzählen, dass die Einschätzung, die der Einsatzleiter vorher mitgeteilt hat, völliger Humbug war. Wenn man ihm dann rät, sich nachher zu beschweren, sagt der nur, dass man das wohl kaum kann. Der Fehler steckt doch im System. Natürlich ist auch das nicht fußballspezifisch, das ist auf Demos doch genau das gleiche. Die Einsatzhundertschaft wird bewusst wenig informiert gehalten, das ist eine Eingreiftruppe, dafür sind die da. Die sollen nur nicht nachdenken, hinterher greifen die nicht so durch, wie die durchgreifen sollen.

YNWA: Professioneller Fußball heute ist ohne Kapitaleinsatz nicht denkbar. Wo ist die Grenze, die nicht überschritten werden darf? Oder ist sie es schon?

Daniel: Überschritten ist sie schon lang, meiner Meinung nach. Ich habe das noch in den 90ern miterlebt, da war es lange nicht so schlimm wie heute. Allein wenn ich an die Klatschpappen der Werbepartner auf den Tribünen denke kriege ich heute noch Brechreiz. Ein Sponsor ist so lange in Ordnung, so lange er in einem gewissen Maße ...

Jan: Er hat sich in unsere Autonomie eingemischt.

Daniel: Genau, das ist der springende Punkt. Heute sind das ja alles Partner, die das alles zusammen machen. Ich glaube, das funktioniert wie eine schlechte Ehe. Ein Sponsor stand für mich früher auf dem Trikot, da hatte ich überhaupt kein Problem mit. Der ist ansonsten nicht weiter aufgetreten, hat natürlich aber auch nicht weiter Geld rein gebuttert. Heute muss auf der Tribüne das sein, dort jenes, der eine verteilt Fähnchen, der andere Klatschpappen, das ist für mich einfach nur noch widerlich.

YNWA: Aber irgend jemanden müssen die doch fragen, ob sie Pappen verteilen dürfen, oder? Also muss doch jemand im Verein eine gewisse Verantwortung tragen.

Jan: Ja, klar. Aber, um es um mal arg überspitzt zu sagen: wer sich einmal prostituiert, muss sich doch nicht mehr fragen lassen, wie weit er die Beine nun breit macht.

YNWA: Die Frage, die nun auftaucht, ist folgende: Der BVB hatte vor vielen Jahren den Samson Löwen sogar im offiziellen Vereinswappen, mittendrin im Wappen auf der Brust. Von massiven Fanprotesten aus der Zeit ist nichts bekannt. Im Gegenteil: Einige fanden das ganz charmant, weil dieser Löwenkopf ganz nett war. Das hat sich nun grundsätzlich geändert, so was würde heute wahrscheinlich massive Proteste hervorrufen. Was hat sich da nun geändert?

Daniel: Aber das ist doch genau das, was ich sagte: UHU war nur ein Trikotsponsor, die haben sich ansonsten aus allem, was im Stadion passierte heraus gehalten. Da gab es dann vielleicht noch eine Werbebande und vielleicht wurden sie vor dem Spiel noch erwähnt. Das war es dann aber auch. Anders als heute, heute rauschen alle 5 Sekunden Werbebotschaften durch die Lautsprecher oder über die Anzeigetafel. Bei der RAG heute ist es so, dass sie ganz ordentliche Werbekampagnen fahren, geben sich da viel Mühe, auch die Leute nicht zu sehr zu nerven, aber ein Großteil der aktiven Fanszene lehnen die einfach ab, weil sie Angst haben, dass da noch mehr kommt. Es ist einfach ein großes Misstrauen da.

YNWA: Gerade beim neuen Sponsor von Borussia Dortmund fällt auf, dass er seine Werbung mit einer gehörigen Prise Humor fährt und er auch das Gefühl vermittelt, es sei alles nicht so tierisch ernsthaft. Frage: Seid Ihr mit den gesponsorten Bussen nach Thannhausen gefahren, oder nicht?

Jan: Unterschiedlich. Es war jedem selbst überlassen. Aber natürlich war es umstritten und es gab Diskussionen darüber, das muss auch so sein.

YNWA: Warum war es umstritten?

Jan: Weil sich auf der einen Seite Leute gekauft fühlen und andere sagen, es sei übertrieben, hiermit würde man nicht gekauft. Wir haben dann den Weg gefunden, dass jeder selbst entscheiden muss, ob er da mitfährt oder nicht. Das finde ich eine gute Lösung in dem Fall, denn wir waren uns als Vorstand auch nicht einig, aus diesem Grunde haben wir einen Schlussstrich unter die Diskussion gezogen und jedem die Entscheidung überlassen. Da kann man dann den Leuten nicht einfach was vorgeben und sagen, wir machen das nun so und so.

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Choreographie "Wie ein Herzschlag bist Du immer da, wie Luft zum Atmen brauchen wir Dich", 2001
Foto: the-unity.de

YNWA: Nach Veröffentlichung des RAG-Angebots war in einem Internetforum zu lesen, wenn The Unity diesem Angebot zustimmen würde, wäre das praktisch Verrat an Faninteressen.

Daniel: Ach weißt Du, was die schreiben ist uns so was von egal. Andreas aus unserem Sprecherkreis sagt immer so schön: „Und wenn wir irgendwann über das Wasser laufen können, dann wird uns von denen vorgeworfen, dass wir nicht geschwommen sind.“

Jan: Zu dieser Sponsorensache möchte ich aber nun einiges sagen. Grundsätzlich denke ich, dass meine Generation, also die sogenannte „Generation Golf“, schon sehr konsumträchtig gewesen ist und auch immer noch ist. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen. In den 80ern hat das mit den Markenklamotten angefangen, man musste das und das haben, weil andere das auch hatten. Ich glaube, dass es nun endlich nach 20 Jahren eine etwas größere Gegenbewegung gibt – auch beim Fußball Gewisse Jugend-Subkulturen vielleicht ausgenommen. Die Leute sagen, nun schaut euch das doch mal an, das ist doch nicht mehr normal, es geht hier eigentlich nur noch darum, dass sich Sponsor XY gut präsentiert, und noch einer und noch einer und noch einer, und das Fußballspiel geht immer mehr verloren.

YNWA: Da war man doch während der WM in den Stadien sehr überrascht, dass dort nicht so viel geworben wurde.

Jan: Aber damit lügt man sich doch in die Tasche. Es wurde doch insgesamt nicht weniger geworben. Im Fernsehen wurde mehr geworben, weil es anders gar nicht zu refinanzieren ist. Es ist in den Zeitungen mehr geworben worden. Jeder Hinz und Kunz hat mit dieser WM geworben. Wir leben halt mittlerweile in einer Gesellschaft, die komplett durchgeworben ist. Bei jedem Mist muss doch mittlerweile ein Marketing dahinter stecken, für alles wird ein Marketing gemacht, wahrscheinlich vermarkten wir uns in 10 Jahren alle selbst mit großflächigen Anzeigen oder virtuell im Internet und der Beste wird dann daraus genommen. Ich denke schon, dass es da nun eine Gegenbewegung gibt. Ob das nun wir Ultras sind vermag ich nicht zu sagen. Ich glaube auch, dass wir Ultras da sehr vielschichtig sind und einige nicht sehr darüber nachdenken, was da wie funktioniert. Man muss aber auch aufpassen, dass man sich nicht ständig zum Affen macht für alle anderen. Wenn man alles komplett ablehnt, dann muss man auch irgendwann mal sagen: „Ist dann Bundesligafußball für mich überhaupt noch das richtige?“ Ich kann verstehen, dass einige Dinge nur noch nerven, aber ich für mich persönlich habe mich mit einigen Dingen einfach abfinden müssen, dafür ist mir Fußball noch zu wichtig. Und ich gehe einfach viel zu gerne zu Borussia und wenn mich dann alles dort nur noch ankotzt, dann gehe ich da nicht mehr hin. So schlimm ist es im Moment noch nicht.

YNWA: Jan, wir haben Dich erlebt, wie Du jemandem erklärt hast, warum es wichtig war, den Stadionnamen zu verkaufen. Da hast Du Dich schon fast angehört wie der Geschäftsführer der Aktiengesellschaft. So hättest Du vor einiger Zeit noch nicht geredet, oder?

Jan: Nein. Ich finde es immer noch sehr traurig, dass der Name weg ist und ich könnte jedes Mal heulen, wenn ich das Ding sehe. Aber ich weiß, dass es wirtschaftlich zum damaligen Zeitpunkt einfach notwendig war. Auch wenn das heute wieder mal alle mit Valdez oder was auch immer vergleichen. Das sind zwei völlig verschiedene Punkte. Darum ging es übrigens in der o.g. Diskussion, nicht darum, ob ich das gut oder schlecht finde. Zum damaligen Zeitpunkt ging es nicht anders. Wir wären weg gewesen und vielleicht nie wieder gekommen.

YNWA: Hättest Du das denn besser gefunden, von unten anzufangen?

Jan: Ja und nein. Wir fahren ja nun häufiger nach Salzburg. Wenn man das dann so sieht, dann ist das natürlich schön, das ist wirklich was eigenes. Wenn man sich dann aber den Sport auf dem Platz anschaut, wird man schon nachdenklich und fragt sich, ob das über Jahre hinweg wirklich gut gehen kann und wird – was ich ihnen natürlich mehr als nur wünsche.

YNWA: Aus Salzburg hört man recht häufig, dass man als Vereinsverantwortlicher anders denken muss als ein Fan und schon mal den einen oder anderen Spagat wagen muss...

Jan: Das ist klar, man kann Salzburg aber nicht mit unserer Situation vergleichen. Hier ist der Stadionname verkauft worden, nicht der Vereinsname. Würde hier der Vereinsname verkauft, wäre ich weg, sofort! Das ist fraglos. Aber vielleicht machen wir uns auch was vor und denken, dass es so schlimm nicht ist. Vielleicht sind wir selber der Frosch, der nicht merkt, dass das Wasser in seinem Glas immer wärmer wird. Vielleicht bemerken wir Dinge, andere wiederum überhaupt nicht oder machen uns vor, sie nicht zu bemerken.

YNWA: Ist eine Situation wie in Salzburg in Dortmund denkbar?

Daniel: Auf lange Sicht gesehen kann ich das schlecht beurteilen. Ich glaube, dass bei uns mindestens 10.000 Leute, vor allem viele ältere den Mund aufmachen würden, wenn das so wäre. Aber nach spätestens einem Jahr würde wieder vor 80.000 gespielt werden. Wobei ich aber auch der festen Überzeugung bin, dass bei einem Zweitverein mehr als 10.000 Leute wären.

Jan: Ich bin überzeugt, dass es funktionieren würde, vielleicht nicht jetzt, vielleicht nicht nächstes Jahr, aber ich bin absolut überzeugt, dass es funktioniert.

YNWA: Seit Ihr der Meinung, dass das Red Bull Salzburg Modell überhaupt funktionieren kann?

Jan: Erschreckenderweise scheint es zu funktionieren. Das ist natürlich alles total kurzfristig. Hat das in fünf Jahren noch diesen Kick? Dieses coole Red-Bull-Feeling? Oder ist dass in fünf Jahren so ausgelutscht, dass die Leute sagen, Himmel ist das ein Käse hier. Man muss natürlich auch dazu sagen, das ist Österreich, das kannst man nicht wirklich mit Deutschland vergleichen. Die werden international mit ihrem Bullenclub wohl nie richtig Erfolg haben, da können sie sich auf den Kopf stellen, so viel Geld kann der Mateschitz gar nicht ausgeben. Und dann kommt vielleicht auch irgendwann die österreichische Mentalität, die dann sagen: „Och, des is hoalt so oarschlangweilig!“ Dann habe die einfach keine Lust mehr. Und je höher die Austria klettert, desto häufiger wird sich die Frage stellen, wo geh ich denn nun hin.

Daniel: Ich habe während eines WM-Spiels in Stuttgart einem Schulfreund erzählt, dass ich vor zwei Wochen das erste mal in Salzburg war und dass mir das richtig gut gefallen hat (Daniel meint hier Austria Salzburg, Anm. d.Red.). Er fragte darauf, ob denn Red Bull überhaupt gespielt hat. Der war vorher noch nie in einem Fußballstadion, hat sich kaum für Fußball interessiert, vielleicht mal Mannschaften wie Barcelona im TV angeschaut, aber dass der Red Bull Salzburg kannte, fand ich extrem erschreckend. Ich hatte nicht geglaubt, dass jemand wie mein Freund das Thema überhaupt mitbekommen hätte.

Jan: Es wird nicht in Italien funktionieren, vielleicht auch nicht in England, aber sonst in jedem Land.

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Solidaritätsaktion mit Austria Salzburg, Bremen 2005
Foto: the-unity.de

YNWA: Die Identifikation mit einem Verein besteht worin?

Daniel: Es sind einfach elementare Dinge. Wenn wir Freitag abends bis 2 Uhr noch Spruchbänder gemalt haben, dann habe ich einfach Bock morgens aufzustehen, um halb 11 in der Sonne zu sitzen und auf das Spiel zu warten. Das sind für mich die Farben schwarz-gelb, das sind für mich die Leute, mit denen ich dahin gehe, das ist für mich der Name und auch das Westfalenstadion, so heißt es nämlich immer noch für mich. Auch die Stadt Dortmund gehört für mich dazu, dass ich mich damit identifizieren kann.

Jan: Das ist eine schwere Frage, die habe ich mir schon oft selbst gestellt und auch von anderen gestellt bekommen, das ist nicht so einfach. Es ist eine Mischung aus den Erinnerungen von früher, die man als älterer immer hat, die alten Zeiten waren ja immer besser als die aktuellen. Dann das gemeinsame Erlebnis mit seiner Gruppe, mit der man zum Fußball geht. Ich identifiziere mich schon sehr stark mit meiner Gruppe. Der Verein Borussia Dortmund gibt mir nicht mehr so viel, wie er es mir vor zehn Jahren gegeben hat. Das kann am Alter liegen, das kann an der Entwicklung des Vereins liegen, die Bindung zum Verein ist aber jetzt wieder stärker als es das noch vor drei Jahren war. Allein dieses Gebilde KGaA ist halt etwas, mit dem ich mich nicht anfreunden kann, ich habe damals auch nicht zugestimmt. Ich habe mich damals enthalten, ich hätte vielleicht richtig nein sagen sollen, aber es gingen nur 2 oder drei Nein-Stimmen hoch. Ich bin da ganz ehrlich, die Identifikation mit Borussia Dortmund ist die Südtribüne, sind meine Freunde, ist die gemeinsame Auswärtsfahrt, das sind aber auch ein paar einzelne Spieler durchaus, die man sympathisch findet, ohne von denen anzunehmen, dass sie mit Borussia Dortmund verheiratet sind. Es ist halt das gemeinsame Erlebnis, aber immer weniger das, was Borussia heute ist. Wenn ich heute als 15jähriger noch mal ins Westfalenstadion käme, glaube ich nicht, dass es mich noch einmal so fesseln würde, wie es das Ende der 80er getan hat.

Daniel: Geht mir genau so. Ich wäre heute sicherlich auch nicht so begeistert wie damals. Für uns war immer Stuttgart das beste Beispiel, ich bin gebürtig aus Stuttgart, da waren wir im Stadion und der Stadionsprecher sagte, nun betritt gleich unsere Mannschaft den Rasen, steht doch bitte alle auf und applaudiert. Wir haben uns im Dortmunder Block kaputt gelacht, wenn man im Kabinengang des Westfalenstadions einen schwarzgelben Ärmel sehen konnte, dann sind die Tribünen bereits ausgerastet. Heute brauchen auch wir dafür einen Eventmanager.

YNWA: Es fiel vorhin das Stichwort Identifikation mit der Stadt, also mit dem lokalen Umfeld. Gibt es da auch eine geistige Haltung, die man bei der Borussia oder in Dortmund vermuten kann?

Jan: Für mich als Dortmunder ist Dortmund eine ehrliche Stadt, wenn man das so sagen kann. Es ist halt eine alte Arbeiterstadt, auch wenn ich kein Arbeiter bin, sondern nur ein Angestellter. Für mich ist Dortmund eine liebenswerte Stadt. Ich lebe gern in Dortmund und finde die Stadt einfach geil. Ich finde es schade, dass sich Borussia nicht mehr so mit der Stadt identifiziert, sondern versucht globaler zu sein. Aber für mich, ich bin kein gebürtiger Dortmunder, sondern komme aus der Nachbargemeinde, ist Dortmund eine tolle Stadt. Sie hat alles zu bieten. Ob Dortmund nun eine Geisteshaltung verkörpert kann ich nicht so sagen. Für mich ist Dortmund Dortmund, als Stadt ein Traum, aber keine Ahnung, wie ich das nun als Geisteshaltung definieren kann.

Daniel: Für mich war immer faszinierend war, wie sehr die Stadt hinter Borussia gestanden hat. Ein Mal, als wir reingefahren sind, war der Fahrbahnbelag schwarz, weil frisch geteert, und die Linien waren gelb noch von den Bauarbeiten. Da habe ich immer meinen Eltern erzählt, dass sie sogar die Straßen schwarz-gelb machen, weil sie den Verein so toll finden.

YNWA: Kann der Kommerz dieses emotional sentimentale Spiel kaputt machen.

Jan: Macht er ja schon. Es ist halt ein Geschäft, so ehrlich muss man sein, und der Fußball frißt da auch irgendwo seine Kinder. Der Fußball von heute hat auch sicherlich irgendwo die Fans von heute verdient. Wenn man dann sagt, dass sich die Gesänge der Ultras vielfach nicht mehr am Spiel orientieren, das ist oft so, klar, aber der Fußball orientiert sich doch auch nicht mehr am Spiel, oder?
Das ist ja die Entwicklung im Stadion. Da haben die Leute so ne Klatschpappe in der Hand, stehen teilweise regungs- und emotionslos auf der Tribüne und rasten nicht mal aus, wenn ein eigener Spieler umgeholzt wird. Wenn man selbst dann aus sich heraus geht in einer solchen Situation, starren die einen an, nach dem Motto, was hat der denn. Das kann ich nicht mehr begreifen.

Daniel: Das Euphorische fehlt, das sich gegenseitig anstacheln. Die Leute achten lieber darauf, was überall passiert, anstatt sich auf das Spiel zu konzentrieren und mal richtig mitzugehen. Letztes Jahr bin ich heulend aus dem Stadion gelaufen, weil wir in der 86. Minute 2-1 hinten lagen, aber die Leute auf die Anzeigetafel schauten und sich freuten, dass Bayern 1-0 hinten liegt. Da habe ich geheult, mir geht das echt nahe. Wenn mein Verein spielt ist mir jeder andere Verein scheißegal. Die können das nach dem Spiel zeigen.

Jan: Das ist das Problem. Die Leute, die sich Borussia in den letzten zehn Jahren herangezogen hat, da ist keine Kultur vermittelt worden. Es gab hier auch nichts mehr, das muss man ja auch mal sagen. Es entstehen nun endlich wieder Sachen, es entstehen wieder Bands, es finden demnächst auch mal wieder Konzerte statt, wo wieder mehr aus der Fanszene kommt, es entsteht endlich wieder ein bisschen Subkultur, was wir einfach 10-15 Jahre nicht mehr hatten. Meier und Niebaum die wollten das ja auch nicht, die haben das auch überhaupt nicht gefördert, ganz im Gegenteil, es ist ja auch immer untergebuttert worden. Und das wächst jetzt langsam. Und ich bin froh und stolz so ein bisschen dabei zu sein. Und das ist so wichtig.

YNWA: Zum Thema Entwicklung der Ultra Szene allgemein. Kann es sein, dass sich innerhalb der Szene Aktivitäten häufen, die über den eigentlichen Kernbereich, den Fußball, hinausgehen?

Jan: Es sind Dinge vorgefallen, die immer mehr weg vom Fußball, die immer mehr ins private Umfeld der Leute gegangen sind. Dinge, die wir nie tolerieren wollten. So was würden wir nie mitmachen. Da stellen wir fest, dass das ganze Ultra-Ding scheinbar aus dem Ruder läuft.
Immer mehr sekundäre Dinge, abseits vom Fußball – werden immer wichtiger. Der Fußball steht hierbei nicht mehr im Vordergrund. Klar, die eigene Gruppe ist nach wie vor wichtig, aber viele verlieren immer mehr den Bezug dazu, warum sie überhaupt zum Fußball gehen. Das finde ich schade und sehr bedenklich.

YNWA: Trifft das auf viele Gruppen oder nur auf einige zu?

Wolle: Was ich von Dortmund aus so sehen kann, was ich so höre und in Fanzines verschiedener Gruppen lese, nimmt diese Tendenz immer mehr überhand. Das wird dazu führen, dass das ganze Ultra-Ding in Deutschland vor die Wand fahren wird. Es kann irgendwann so nicht weitergehen, das werden dann auch die Vereine nicht mehr dulden.
Einige Gruppen sind auf einem falschen Weg. Der Sport an sich und der Zusammenhalt der Leute sollte eigentlich im Vordergrund stehen, man sollte viel weniger nach links und rechts gucken, was die anderen machen. Man sollte vielmehr seinen eigenen Weg festigen.

YNWA: Woran kann das liegen, woher kommen diese Entwicklungen?

Jan: Aus dem Osten. Genauer gesagt, aus einem Missverständnis.
Das Problem ist einfach, dass sich viele Gruppen im Osten so dargestellt haben - in ihren Fanzines oder im Internet –, als wenn die Dinge abseits des Fußballs enorme, ja fast die einzige Bedeutung hätten. Das Problem ist dabei, dass viele junge Leute im Westen nicht zu sehen scheinen, dass eben diese Gruppen im Osten sich nicht nur um die Dinge am Rande des Fußballs kümmern. Wenn man sieht, was zum Beispiel die Ultras Dynamo in ihrem Verein noch so alles versuchen auf die Beine zu stellen, oder auch die Zwickauer, die halt ihren Verein fast am Leben. In solchen Vereinen haben es die Ultras geschafft, sind fest etabliert.

Wolle: Die Ultras sind bei denen fast der Verein.

Jan: Ja, richtig, die Ultras sind da fast der Verein. Das wird halt bei vielen Leuten gerade aus dem Westen ein bisschen vergessen. Hier sind es die wohlerzogenen Mittelstandsjünglinge, die dann mal plötzlich zwei Jahre den Wilden spielen.
Besonders bei den großen Vereinen merkt man, dass die Gruppen mit den 100-400 Leuten vor sich hindümpeln, sie schaffen keine Entwicklung mehr – was natürlich in einer großen Fanszene auch immer schwer ist –, sie fokussieren sich dann auf andere Dinge, weil sie merken, dass sie sich damit besser darstellen und präsentieren können. Sie sind dann plötzlich die coolen Jungs, wenn sie nach einem Spiel andere Leute abfangen. Sie scheinen dabei aber gar nicht mehr zu merken, dass etwa ihre Heimstimmung total unter aller Sau ist, dass sie ihre Kurve überhaupt nicht mehr in den Griff bekommen. Man konzentriert sich dann darauf, mit 20 Leuten super komplizierte Melodien zu singen, wohin soll das bei den großen Vereinen führen? Wie gesagt, das ist nur mein subjektiver Blick von außen, im Grunde müssen sie auch alle selbst wissen, was sie tun. Für mich sind das Warnsignale, wo wir hier in Dortmund einfach aufpassen müssen, dass es sich nicht so entwickelt.

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Solidaritätsaktion mit Austria Salzburg, Bremen 2005
Foto: the-unity.de

Wolle: In ganz Deutschland ist es einfach so, dass sich viele Gruppen immer mehr vom „normalen“ Fan abspalten. Dabei kann man den eigenen Verein doch eigentlich nur gemeinsam unterstützen. Was bringt es, wenn wir mit unseren 200 oder 300 Leuten und vielleicht noch dem direkten Umfeld auf der Südtribüne unser eigenes Ding durchziehen und die anderen 24.000 außen vor lassen?

YNWA: Viel glauben doch jetzt schon, dass es so ist.

Wolle: Das kann schon sein. Es ist natürlich nicht immer leicht, unsere Vorstellungen mit denen aller anderen zu vereinbaren, das ist halt oft ein schmaler Grat. Wir versuchen ja auch, auf die Leute zuzugehen und unsere Ideen nach außen zu tragen, aber das ist halt sehr schwer.

YNWA: Viele kommen erst gar nicht auf Eure Einladung hin, wenn ihr Euch der Diskussion stellen wollt.

Jan: Die große Masse will sich überhaupt nicht mit uns beschäftigen. Einige möchten halt gerne mal über uns meckern, uns die Schuld zu schieben. Aber wir können nicht zu jedem einzelnen Fan gehen, um ihn zu fragen, wie er uns gerade findet. Wir versuchen das natürlich, aber wir können den Leuten letztlich nur das Angebot machen. Wenn das dann nicht angenommen wird und einige lieber im Internet pöbeln, dann ist das halt so. Diejenigen brauchen sich dann auch nicht zu wundern, wenn sie nicht ernst genommen werden.

YNWA: Noch einmal zurück zum Thema Übergriffe in der Ultra Szene. Die meisten Fans erfahren absolut nichts von solchen Übergriffen. Genügt es diesen Gruppen, allein innerhalb der Ultraszene diesen Bekanntheitsgrad zu erreichen?

Wolle: Ja, klar.

Jan: Ja, es scheint immer mehr darum zu gehen, bei den anderen Gruppen als harte Truppe angesehen zu werden.

Wolle: Es ist wirklich so. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass sich diese Dinge immer weiter hochschaukeln, sich immer weiter vom Eigentlichen wegbewegen, dann geht es nur noch darum, Leute am Bahnhof abzufangen und bestimmte Klamotten abzuziehen. Viele merken einfach nicht, dass das nicht der richtige Weg sein kann.

YNWA: Es ist bekannt, dass es viele Probleme mit der Polizei gibt. Aber ist nicht irgendwann der Punkt erreicht, an dem man eine Anzeige stellen muss? Muss man nicht irgendwann doch mal zur Polizei gehen? Man kann die Dinge schließlich nicht über Selbstjustiz regeln.

Jan (lacht): Das ist für Außenstehende vielleicht schwer zu erklären. Mir wurde früher als Jugendlicher mal ein BVB-Schal geklaut, aber ich bin deswegen nie auf die Idee gekommen, zur Polizei zu gehen, das hat man schon damals einfach nicht gemacht. Das war eigentlich immer so eine Art unausgesprochenes Gesetz. Wenn mir jetzt bei einem Spiel ein Schal geklaut wird, dann gehe ich nicht zur Polizei.

YNWA: Gut, das kann man noch verstehen, aber was ist, wenn ich zusammengeschlagen werde und im Krankenhaus lande?

Wolle: Das sollen meiner Meinung nach die Leute entscheiden, denen es passiert. Das betrifft uns als Gruppe aber nicht wirklich, eher das Privatleben der betroffenen Leute.

Jan: Klar, wenn Leute vom Nachbarclub jemanden zu Hause besuchen und zusammenschlagen, dann haben sie meiner Meinung nach den gewissen Punkt weit überschritten. Da müssen sie sich dann auch nicht wundern, wenn der Betroffene zur Polizei geht.

Wolle: Das hat auch mit der Gruppe nichts mehr zu tun. Das ist fernab von dem, was ich mir unter Fußball vorstelle, fernab vom Ultra-Gedanken. Das ist nicht mein Ding.

YNWA: Sicher müssen sich die jeweils betroffenen selbst darum kümmern, man kann schließlich nicht für jemand anderen eine Anzeige stellen. Habt Ihr Vorstellungen, wie man in Zukunft damit umgehen sollte?

Jan: Das ist echt schwer zu sagen, ein äußerst kompliziertes Thema.

Wolle: Ich kann Leute verstehen, die so langsam durchdrehen. Aber ich persönlich könnte nicht so handeln.
Wenn ich nun ähnliche Dinge veranstalte, kann das ja auch persönliche und private Konsequenzen haben. Ich will zum Beispiel durch den Fußball nicht meinen Job verlieren, will nicht zerstören, was langsam aufgebaut wurde. Das würde zu Problemen in der Familie führen, meine Freundin würde mich nicht wieder erkennen. Nein, das ist echt nicht mein Ding.

YNWA: Dann ist das vielleicht eure einzige Möglichkeit, ihr könnt zwar niemandem etwas verbieten aber ihr könnt mit gutem Beispiel voran gehen.

Jan: Man kann es wirklich niemandem mehr verbieten, dafür ist zu viel vorgefallen. Du kannst den Leuten nicht mehr sagen, dass sie weggehen sollen, weil es sie nicht betrifft. Bei den Sachen, die immer wieder vorgefallen sind, ist ein Punkt erreicht, an dem uns die Argumente ausgehen. Wenn uns von deren Seite immer wieder gesagt wird, dass sie so was nicht mehr machen und es dann trotzdem wieder passiert, dann ist der Punkt einfach irgendwann erreicht. Was sollen wir unseren Leuten dann noch sagen?
Jedem muss allerdings bewusst sein, dass er durch seine Reaktionen eine Gewaltspirale in Kraft setzen kann. Die Frage ist, ob wir das alle wollen.

Wolle: Wir sagen auch jedem mit dem wir sprechen, dass er sich über die Konsequenzen seiner Handlungen bewusst sein muss. Jeden kann dabei eine Anzeige erwischen, wenn er Leute verprügelt, Sachen abzieht oder Hausbesuche macht. Jedem von uns und auch denen von der Gegenseite kann es so ergehen.

YNWA: Man sollte sich auch bewusst sein, was man für die Gruppe auf’s Spiel setzt. Da kann natürlich durch verschieden Aktionen vieles kaputt gemacht werden.

Jan: Es war uns schon immer wichtig, nicht irgendeine gewalttätige Gruppe zu sein. Natürlich haben wir auch Mitglieder, die keine Kinder von Traurigkeit sind, das ist auch völlig ok, beim Fußball ist es doch schon immer etwas härter gewesen. Wir sind eben nicht alle Engel.
Es kann auch mal was passieren und wir können uns auch zur Wehr setzen, wenn was passiert. Aber wir haben einfach bestimmte Dinge niemals gemacht und soll auch in Zukunft so bleiben.
Das Problem ist, dass es bei solchen Dingen viel schwieriger ist, nein zu sagen, als einfach mitzumachen. Innerhalb der Dortmunder Fanszene prasselt momentan natürlich schon einiges auf uns ein. Man erwartet, dass wir zurückschlagen und da ist es natürlich gerade für viele jüngere von uns schwerer zu sagen, dabei nicht blind bei irgendwelchen total undurchdachten, dummen Sachen mitzumachen.
Es ist nicht immer leicht zu sagen, dass ich einfach nur für meinen Verein da sein will, den Verein verändern will, ihn leben will und eben nicht Gewalt ausüben will.

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Protestaktion "Not for sale", 2005
Foto: the-unity.de

YNWA: Habt ihr Angst, dass bei irgendeinem mal die Sicherungen durchbrennen können?

Jan: Ja.

Wolle: Wenn es sich weiter hochschaukelt kann das passieren. Ich habe mich da manchmal in den letzten Tagen auch selber gefragt warum ich mir das noch antue, warum ich mich dieser Gefahr aussetze. Eine gewisse Gefahr gab es zwar immer, z.B. früher in Gladbach oder Köln. Aber das ist jetzt eine andere Stufe, eine andere Dimension, das kann man nicht mehr steuern. Beim Spiel kann man ganz einfach in der Gruppe bleiben, aber außerhalb von Spielen ist jeder auf sich alleine gestellt.

YNWA: Wie sieht denn der typische deutsche Ultraweg zur Zeit aus?

Wolle: Naja, das ist halt eben diese ganze Abzockerei, das Abziehen, den großen Macker markieren. Die haben noch keine Haare am Sack und veranstalten schon Dinge, die –wenn überhaupt – nur noch am Rande was mit Fußball zu tun haben.

Jan: Das ist das, was ich eben schon mal gesagt habe. Diese Gruppen stellen diese ganzen Nebensächlichkeiten in den Vordergrund. Wenn man böse ist, könnte man behaupten, dass sie diese Dinge nur machen, weil sie sonst nichts auf die Reihe bekommen. Sie werden von ihrem Verein nicht anerkannt, sie werden in der Fanszene null anerkannt. Wenn sie dann merken, dass sie auf keinen grünen Zweig kommen, versuchen sie es eben mal über die andere Schiene, in der Hoffnung, von Ultragruppierung XY als harte Gruppe anerkannt zu werden.

YNWA: Kann so was auch was mit der Altersstruktur der Gruppen zu tun haben.

Wolle: Ja klar, wenn bei uns solche Dinge passieren würden, dann würden die älteren, ab 25 aufwärts, da schnell versuchen, einen Riegel vorzuschieben.

Jan: Wir haben bei uns in der Gruppe viele Leute über 30.

Wolle: Das sind zum größten Teil auch Leute, die noch nie was mit Gewalt zu tun hatten…

Jan: Wir haben weit über 50 Mitglieder, die über 30 sind. Das sind logischerweise schon meistens Leute, die anders ticken als ein 18-jähriger und die vielleicht auch eher mal nachdenken. Ich glaube schon, dass ein 18-jähriger eher mal impulsiver handelt als jemand, der über 30 ist. Den jüngeren ist es sicherlich auch wichtiger, vor anderen cooler rüber zu kommen. Das will ich jetzt aber auch nicht zu sehr pauschalisieren.

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Malaktion an den Wänden der Südtribüne imWestfalenstadion, 2006
Foto: the-unity.de

YNWA: Ihr macht trotz der schwierigen Situation weiter?

Wolle: Klar könnte man das auch alles wieder zurückfahren und wieder mit den alten Leuten in kleineren Gruppen zum Fußball gehen, aber eigentlich steckt man viel zu tief drin, als dass man aufhören könnte oder wollte. Im Prinzip besteht mittlerweile mein kompletter Freundeskreis aus Leuten von TU. Daher will man eigentlich auch nicht aufhören.

Jan: Richtig ...

Wolle: Dafür sind die ganze Sache und das Miteinander drum herum viel zu wichtig.

Jan: Da kann ich mich nur anschließen. Letzte Woche habe ich da viel drüber nachgedacht. Da hat Wolle auch deutliche Worte gefunden, weil er sich auch sehr intensiv mit diesen Dingen auseinandergesetzt hat und übers Aufhören nachgedacht hat, oder Wolle?

Wolle: Ja, klar, das stimmt, also wenn bei uns diese Entwicklungen zu beobachten wären und man da nicht gegensteuern könnte, dann wäre die Sache für mich gestorben. Aber diese Entwicklungen gibt es bei uns bisher zum Glück noch nicht, und daher lohnt es sich auch weiter zu kämpfen.

Jan: Da habe ich dann halt auch viel drüber nachgedacht. Samstag war ich dann auch eigentlich ziemlich frustriert im Stadion, ich war zwar glücklich darüber, dass die Salzburger Austrianer da waren und wir dadurch etwas abgelenkt wurden. Die Salzburger kannten von früher noch das schwierige Verhältnis mit der jeweiligen Vereinsführung, das ist heute bei denen natürlich nicht mehr so. Sie waren teilweise schon erstaunt, dass wir einfach so im Stadion feiern konnten und dort einen Raum für die Party bekommen hatten, und der Geschäftsführer auch mal vorbeischaute. Das ist sicherlich nicht selbstverständlich, aber das haben wir uns erarbeitet. Der Verein sieht einfach auch, was wir machen, er sieht, dass wir die Dinge, die mit dem Fußball nichts mehr zu tun haben, eben nicht machen. In Dortmund steht die Polizei nicht ständig beim Verein vor der Tür und muss über Vorkommnisse seitens TU berichten. Uns ist sehr bewusst, dass viele Dinge vorbei sind, wenn wir uns so einen Mist leisten sollten. Da muss man sich halt fragen, was wichtiger ist: Die fünf Minuten Ruhm wegen irgendeiner dummen Aktion, oder ob man lieber seinen Verein leben will.

Wolle: Wir haben als Gruppe derzeit ein einziges Stadionverbot, nicht von Dortmund, sondern vom VfB Stuttgart ausgesprochen. Natürlich hatten und haben wir auch unseren Stress mit der Polizei, aber eigentlich läuft es momentan ganz gut.

YNWA: Also seid ihr eigentlich guter Dinge, dass eure Grundideen und Ideale auch auf Dauer weiterhin bestand haben?

Wolle: Ich denke schon, wir hatten schon einige Tiefs und sind immer wieder gestärkt daraus hervor gegangen. Solche Situationen bieten einem auch immer wieder die Möglichkeit, die Leute gerade dann hinter uns zu bringen und sie von unseren Idealen zu überzeugen.

YNWA: Danke für das Gespräch.

Mehr über "The Unity", viele interessante Berichte, Videos und Fotos gibt es auf deren Internetseite: .

YNWA, 23.11.2006

 
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